| Geschichte der Gemeinde Nufenen |
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Bis
1800 war Nufenen mit beinahe 400 Einwohnern die Bevölkerung stärkste
Gemeinde des Rheinwalds und somit auch das politische Zentrum des Tales.
Hier wurde im Rathuus Gericht
gehalten und im Schwarzwald auf dem
Schönboden am Galgen
Todesurteile vollstreckt. Die Bevölkerung
lebte bis 1880 von der Land- und Alpwirtschaft und vom Warentransport
als „Säumerbauern“ über den Splügen- und San Bernardinopass. So kam es
auch, dass sich die Familie
Hössli ihre auffällig rot verputzten Handelshäuser vorerst in
Hinterrhein und dann in Nufenen (Rothuus
um 1789) bauen liess. Der älteste
Dorfplan von 1819 zeigt uns, wie sich die neu entstandenen Gebäude an
der Durchgangsstrasse zum San Bernardinopass orientierten. Nufenen ist
in der Blütezeit des Warentransits über die Bündnerpässe an der „Unteren
Strasse“ zu einem stattlichen Strassendorf herangewachsen. |
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Entlang der
Strasse entstanden das Grosshuus,
wohl eines der ältesten Häuser im heutigen Dorfzentrum, das
Rathuus, ehemaliges
Gerichtsgebäude der Landschaft Rheinwald mit Gerichtsstube und Kerker,
die vornehmeren Handelshäuser
Schloss und Wiishuus und
natürlich das Rothuus der
Handelsfamilie Hössli. Zu diesen stattlichen Häusern gehörten auch die
Stallungen für das Gross- und Kleinvieh und vor allem auch für die
zahlreichen Saumtiere, Pferde und Maultiere, für den Warentransport über
die Pässe.
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Das
"Rothuus"
wurde im Auftrag der berühmten Handelsfamilie Hössli erbaut. Es war
Wohn-, Bauern- und Handelshaus mit all den grossen Lagerräumen im
Erdgeschoss und den dazugehörenden Stallungen. In dieser Zeit blühte der
Handel an der San Bernardino-Route stark auf. Die Bündner Pässe wurden
damals oft dem Gotthardpass vorgezogen. Über dem Torbalken des
Hausstalles ist die Jahrzahl 1789 eingeschnitzt. Vermutlich ist das
Wohnhaus noch einige Jahre älter datiert. Dieses Haus spielte in der
Geschichte des Rheinwalds, aber auch in der Geschichte des Kanton
Graubündens eine wichtige Rolle.
Podestà Johann Jakob Hössli war Präfekt während des zweiten
Koalitionskrieges von 1799 – 1801. Er war es dann auch als Landammann,
der mit geschickten Verhandlungen Nufenen vor dem Einäschern
französischer Truppen bewahrte, weil Nufner und Hinterrheiner Bauern am
San Bernardinopass den französischen Truppen kurzen Widerstand
leisteten.
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Die Bevölkerungsstatistik der Gemeinde zeigt
grössere Auswanderungen im 19. Jahrhundert an
1823, mit der Eröffnung der
Kommerzialstrasse über die Pässe Splügen und San Bernardino konnten mit
den Pferdefuhrwerken, den Frachtwagen und Postkutschen, auf Anhieb
grössere Lasten transportiert werden als mit den Saumtieren. In dieser
Zeit verlor so mancher Säumer seinen Verdienst im Rheinwald. Eine erste
grössere Auswanderungswelle erfasste das Tal. Auswanderungsziele waren
das nahe Oberitalien, Frankreich, Österreich, Deutschland, Belgien,
Polen und nur vereinzelt zog es die Rheinwalder vorerst nach Übersee. |
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Europaweite
Missernten und Hungersnöte und eine Landwirtschaftskrise, lösten um 1850
im Rheinwald eine zweite grosse Auswanderungswelle aus. Und mit dem Bau
der Brennerbahn 1867 und vor allem mit der Eröffnung der Gotthardbahn
kam der Güterverkehr über die Bündnerpässe beinahe ganz zum Erliegen.
Nochmals verliessen vor allem jüngere Leute unser Tal, diesmal nach
Amerika und Neuseeland. Die Gemeinde Nufenen wies im 19.
Jahrhundert mit 150 Auswanderern den grössten Rückgang aller
Talgemeinden aus. Aus der Bevölkerungsstatistik geht hervor, dass
Nufenen in dieser Zeitspanne mehr als die Hälfte seiner Bevölkerung
verlor. Bis 1830:
Einfluss des Strassenbaus über Splügen- und San Bernardinopass und
Verlust der Säumerarbeitsplätze Bis 1850:
Missernten und Hungerswinter in der Schweiz und im Rheinwald, Landwirtschaftskrisenjahre
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Schulhaus und Sennereigenossenschaft Nufenen 1846,
erste genossenschaftliche Sennerei Graubündens.
Mitte des 19.
Jahrhunderts, in einer wirtschaftlich schwierigen Zeit, haben sich die
Nufner Landwirte entschlossen ihre Milch gemeinsam zu verarbeiten. 1846
baute die Gemeinde zusammen mit der Sennereigenossenschaft das heutige
Schulhaus.
Im Erdgeschoss entstanden die Sennerei mit dem Käsekeller und dem Gemeinschaftsbackofen der Dorfgemeinschaft, im ersten Stock die beiden Schulzimmer der Unter- und Oberschule und in den weiteren Stockwerken die Pfarrwohnung. Die Schule konnte nun vom Grosshuus ins neue Schulhaus einziehen. Der Anbau des Gemeindesaals erfolgte erst 1951 in Fronarbeit der Knabengesellschaft und älterer Dorfbewohnern. |
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Bau des EWN, des Elektrizitätswerks Nufenen 1928
Der Prascherbach, auch
Sagabach genannt,
erzeugt seit 1928 elektrischen Strom für das Dorf. Einst trieb er unten
an der Kantonsstrasse das Holzrad der Dorfsägerei und oben die
Mühlsteine der Prascher-Mühle an.
Heute steht an dieser Stelle das Maschinenhaus des Elektrizitätswerks.
Auf 1850 m.ü.M. wird das Wasser gefasst und in einer Druckleitung auf
die Turbine ins Maschinenhaus am Prasch geleitet. Übers Jahr werden so
durchschnittlich jeden Tag 870 kw/h produziert, das sind im Jahr gut 300
000 kw/h.
Um die Effizienz der veralteten Anlage zu steigern, werden schon längere
Zeit verschiedene technische Studien verfasst und Projekte
ausgearbeitet. Im Sommer 2009 soll das Bewilligungsverfahren
abgeschlossen sein und dem Bau der neuen Anlage nichts mehr im Wege
stehen. So wird auch künftig wertvoller Strom aus sauberer Wasserkraft
ins Stromnetz der Gemeinde eingespeist. Die neue Turbine soll
vier
mal
mehr Strom erzeugen als die bisherige. |
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Landwirtschaft
Gesamtmelioration auf dem Gemeindegebiet von
1978-1984
Nufenen ist ein von der Landwirtschaft stark geprägtes Dorf. Früher
bewirtschafteten nahezu 40 Landwirtschaftsbetriebe in harter Handarbeit
die Ländereien rund um das Dorf. Durch die aufkommende Mechanisierung
nach dem zweiten Weltkrieg verringerte sich die Anzahl der Betriebe
laufend. Die Kleinstbetriebe liessen keine Existenzen mehr zu, eine
erneute Abwanderung fand statt.
Heute sind es noch 12 mittlere und grössere Milchlieferanten, welche
zwischen 8 und 22 Kühe, etliches Jungvieh und Kleinvieh wie Schafe und
Ziegen besitzen. Ein Landwirtschaftsbetrieb betreibt Mutterkuhhaltung. Mit der
Melioration entstand ein verzweigtes Strassennetz zu den Bergwiesen am
Südhang des Dorfes am Fusse des Tälihorns. Auch die benachbarten Güter
auf der rechten Talseite erhielten ihre Erschliessung. Mit der
Neuzuteilung der Parzellen und dem neu entstandenen Strassennetz
erlangten die Landwirtschaftsbetriebe erhebliche Vorteile. Die gesamte
Heuernte kann heute zu den neu entstandenen Dorfställen gefahren werden,
was für das bewirtschaften der Betriebe von grosser Bedeutung ist.
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So wird sich auch in den kommenden
Jahren die Gemeinde weiterentwickeln und sich den zeitlichen
Gegebenheiten anpassen.
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